Natur? Sorry, keine Zeit!

Natur, Kinder, Freitzeit

„Amelie, jetzt komm endlich, wir wollen weiter, es ist kalt!“ – und schon ist es passiert. Die kleine Amelie bleibt beim Spaziergang zum zehnten Mal stehen und wird von ihren Eltern zum neunten Mal angeraunzt. Dabei hat sie genau in diesem Moment eine Ameisenstraße entdeckt und voller Faszination die fleißig werkelnden Tierchen beobachtet. So wird sie auch heute nicht erfahren, dass eine Ameisenstraße Ameisenstraße heißt – und warum es sie überhaupt gibt. Weil man es ihr nicht erklärt hat. Was zurückbleibt ist ein trauriges kleines Mädchen und eine große Frage: Wie sollen Kinder die Natur erkunden, wenn sie dafür keine Gelegenheit bekommen? 

Dass Kinder kaum noch im Freien herumstrolchen, hält Biologe und Naturphilosoph Andreas Weber für eine zivilisatorische Katastrophe. Denn während sich früher die Abenteuer der Kinder fast ausschließlich vor der Haustür abspielten, verlagern sie sich zunehmend auf das Hausinnere, gibt Weber zu denken. Ohne Kratzer, ohne Schmutz, ohne wahre Abenteuer.

Dabei warten doch so viele Abenteuer draußen in der Natur: Spinnen, grün schillernde Käfer, Vögel, Blätter, Knospen – es gibt so unendlich viel zu entdecken.  Es gilt Fragen über Fragen zu beantworten. Was nicht immer vor Ort klappt. Was Kinder auch ganz toll finden: Nehmen Sie doch bei einem Spaziergang einfach einen Stoffbeutel oder ein kleines Körbchen mit. So können die Kleinen Fundstücke wie Blätter oder Steinchen direkt einsammeln und zu Hause in Büchern nachforschen, von welchem Baum das Blatt wohl gefallen ist. Tierspuren können beispielsweise problemlos abfotografiert und zu Hause nachgeprüft werden, wenn man sich nicht sicher ist, welche Fußabdrücke einem im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg gelaufen sind.

Es liegt in unserer Hand, Kindern die Natur nahe zu bringen. Sie zum festen Bestandteil ihrer Entwicklung zu machen. Ihnen mit einer Selbstverständlichkeit Tiere, Nester, Wohnbauten, Höhlen, Pflanzen und Früchte zu zeigen und zu erklären. Egal, bei welchem Wetter. Denn wenn wir uns hierbei nur auf die schönen Monate beschränken, sehen unsere Kleinen wohl nie Tierspuren im Schnee. Apropos: Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Vogelspuren im Schnee aussehen, wie kleine Flugzeuge? Nein? Dann nichts wie ab nach draußen …

Quellen: