Interview mit Dr. Dieter Breithecker

16. Februar 2017 von Franz in Gesundheit, Tipps

Im Interview: Dr. Dieter Breithecker (www.haltungbewegung.de)

Wir haben Dr. Dieter Breithecker im Interview. Er erzählt uns, warum Bewegung für die Entwicklung von Kindern so wichtig ist, Tipps wie man Kinder in der Bewegungsentwicklung unterstützen kann und wie man der Trägheitsfalle entwischt!

Wieso ist Bewegung so wichtig und warum bezeichnen Sie Bewegung als Grundlage einer gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung?

Kinder bringen von Natur aus die besten Voraussetzungen für ein bewegtes Leben mit. Bewegung ist der Motor kindlicher Entwicklung und die unentbehrliche Voraussetzung für ihre körperlichgeistige Entwicklung. Bewegung muss „unter die Haut gehen“. Das spielerische Erkunden, Entdecken und Erobern ihrer Umwelt steht dabei im Vordergrund und ist erst einmal wichtiger als sportliche Aktivitäten. In der Regel spüren sie intuitiv, welche Impulse für sie fruchtbar sind. Sie brauchen aber viel Zeit und einen Raum für Versuche, Experimente, Wagnisse und auch Fehler. Das ist die Grundlage für das Lernen.

Die Zeiten, in denen Kinder ihren Bewegungsdrang selbstorganisiert ausleben konnten, haben sich verändert. Was hat das für Konsequenzen?
Kinder verbringen zu viel Zeit in geschlossenen Räumen. Diese Räume bieten unzureichende Bewegungsmöglichkeiten. Man versucht das zwar durch organisierte Sport und Bewegungsangebote zu kompensieren, diese haben aber nicht den Stellenwert für kindliche Entwicklungsprozesse wie das selbstorganisierte Spielen und Bewegen mit anderen. Bewegungsmangel ist in kurzer Zeit zu einem prägenden Merkmal des menschlichen Daseins geworden. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf vielfältige gesundheitliche Folgen, auch wichtige Kernkompetenzen wie unter anderem die Sozialkompetenz sind davon betroffen.

Sie sprechen häufig von der „Sitzträgheitsfalle“, in der sich unsere Kinder heutzutage befinden. Was genau meinen Sie damit?
In der „Sitzträgheitsfalle“ befinden sich Kinder, wenn sie viele Stunden am Tag sitzend verbringen. Studien belegen, dass bereits Kinder im Grundschulalter im Durchschnitt bis zu 9 Stunden am Tag sitzen. Die unkontrollierte Nutzung von Spielkonsolen, Smartphones, Fernseher und Co. Ist ein unterschätzter Risikofaktor. Jede Stunde, die zu viel vor den digitalen Medien verbracht wird, ist verlorene Körperlernzeit.

Auf was sollten Eltern im häuslichen Umfeld, z. B. im Kinderzimmer achten, damit ihr Kind nicht ständig sitzt?
Grundsätzlich ist Sitzen nichts Schädliches. Die Sitzdauer und das Stillsitzen stellen das Problem dar. Am liebsten kauern oder liegen sie jedoch auf dem Boden. Wir sprechen hier von natürlichen und „körperintelligenten“ Positionswechseln. Eltern sollten dies akzeptieren, nicht unterbinden. Im Prinzip gilt: nicht mehr still sitzen als nötig, so viel Positionswechsel und Bewegung wie möglich!

Und wie können Eltern grundsätzlich die Bewegungsentwicklung ihrer Kinder unterstützen?
Ganz entscheidend durch ihr Vorbild und dadurch, dass sie sich dafür interessieren, welche Bewegungsqualitäten Kinder für ihre Entwicklung wirklich benötigen. Grundsätzlich sollten Sie dafür Sorge tragen, dass sich Kinder überhaupt bewegen können. Die Basis für jede gesunde Entwicklung ist ein bewegter Alltag. Von Vorteil ist es, wenn Heranwachsende mit Beginn der Grundschulzeit noch einer zusätzlichen sportlichen Herausforderung in der Schule oder im Verein nachgehen. Neigungen un Interessen der Kinder sollten hier Berücksichtigung erfahren.

Dr. Dieter Breithecker Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. www.haltungbewegung.de

Franz

Autor/in:

Mehr als 20 Jahre hat mich das Thema Sitzen in der Büromöbelbranche begleitet. Ergonomie ist eines der wichtigen Themen bei der Entwicklung von Bürositzmöbeln. Wichtig bei allem war immer das Thema „bewegtes Sitzen“. Unterstützen des Körpers, aber keine statischen Zwangshaltungen schaffen. Für Kinder ist Bewegung noch wichtiger, da Bewegung aktiv die kindliche Entwicklung fördert. Die Wirbelsäule von Kindern entwickelt sich im Schulalter weiter, wird aber zunehmend unbeweglicher. Fehlstellungen sind im Erwachsenenalter nur schwer zu korrigieren. Deshalb ist Bewegung so wichtig. Bewegung im Sportverein, aber auch aktive Unterstützung des „sich bewegen“ beim Sitzen.

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