Lesen – Digitale Leseratten

Kinderdrehstuhl. Kinderschreibtisch, Joker, Winner, Champion

Die neuen Medien sind auf dem Vormarsch, auch oder vor allem ins Kinderzimmer: Über 80% der 6- bis 13-Jährigen haben bereits Umgang mit Computern oder Tablets. Stellt sich nun die Frage, ob Eltern auf diesen digitalen Zug aufspringen und schon ganz am Anfang der kindlichen Entwicklung, nämlich beim Lesen lernen, auf digitale Angebote zurückgreifen sollten?

Kennen wir nicht alle noch dieses Bild? Mutter und Kind unter die Decke gekuschelt und auf dem Schoß ein dicker Wälzer der Gebrüder Grimm… Wenn es heute Zeit für die Gute-Nacht-Geschichte ist, kommt das Kind schon einmal mit dem Tablet um die Ecke. Bei Eltern schrillen da schnell die Alarmglocken, das Kind wäre viel zu digitalisiert und technisiert, lege sowieso keinen Wert mehr auf Traditionen.

Eltern sollten die Möglichkeiten der neuen Medien aber nicht gleich verteufeln. Natürlich sollten Kinder vor den Bildschirmen nicht geparkt werden. Dass der Computer, ebenso wie der Fernseher, niemals die Rolle eines Babysitters übernehmen sollte, steht außer Frage. Mittlerweile gibt es aber schon tolle Angebote, um den Kleinen spielerisch den Umgang mit Wort und Bild näher zu bringen. Schon für Kleinkinder gibt es Kinderbuch-Apps, bei denen sie die Möglichkeiten haben, aktiv die Geschichte mitzugestalten. Geräusche, Fotos, kleine Animationen oder Illustrationen machen die Geschichte anschaulich und spannender. Natürlich sollen die Kleinen von den Effekten nicht überfordert werden. Wenn Sie aber gezielt und sinnvoll eingesetzt werden, haben sie das Potenzial aktiv zur Leseförderung beizutragen. Langweilig gestaltete 600 Seiten dicke Schmöker locken keine Kinder vor dem Ofen vor. „Das ist ja voll dick und außerdem voll langweilig, da sind ja nicht mal Bilder drin!“ Solche Sätze bekommen Mutter und Vater des Öfteren zu hören, wenn sie ihrem Kind ein neues Buch aus der Buchhandlung mitgebracht haben. Lese-Apps lösen dagegen manch Begeisterungssturm aus, wenn die Textpassagen immer wieder durch kurze Videosequenzen oder sogar kleine Gaming-Passagen aufgelockert werden. Und sogar der sonst etwas lesefaule Vater fragt seinen Sohn, wann sie denn endlich an der Geschichte weiterlesen. Es gäbe doch noch eine Aufgabe zu lösen.

Die Möglichkeiten der heutigen Technik schaffen es so, das teilweise angestaubte Image von Büchern etwas aufzuwerten. Sie erzeugen Neugier und überhaupt einmal ein Interesse am Lesen. Und keine Sorge, Lese-Apps lösen keineswegs traditionelle Bücher ab. Vielmehr sollten sie als Ergänzung betrachtet werden. Die Mutter, die unter der Bettdecke aus dem dicken goldbeschlagenen Märchenbuch von Prinzen, Prinzessinnen und Drachen vorliest, bleibt immer noch unschlagbar.

Quellen:

http://www.stiftunglesen.de/initiativen-und-aktionen/digitales/
http://www.zeit.de/2013/47/lese-apps-kinder-mehr-kreativitaet-erwuenscht
http://www.tigerbooks.de/digitales-lesen