Mutmacher für schüchterne Kinder

Kinderschreibtisch, Kinderdrehstuhl

Mutmacher

Der Klassiker: Die nette Verkäuferin hinter der Wursttheke fragt das Kind, ob es eine Scheibe Wurst will und dieses schlupft zu Tode erschrocken hinter die Mama und verkriecht sich im Hosenbein. Diese Situation kennen wohl die meisten Eltern. Das Fremdeln gegenüber unbekannten Personen ist in der Regel ein völlig normales Verhalten, das sich schnell verwächst. Aber was ist, wenn das Kind auch über das Kleinkindalter hinaus extreme Schüchternheit zeigt? Und was können Eltern tun, um ihr Kind schon von klein auf den Rücken zu stärken?

Zuallererst: Schüchterne Kinder sind keine Ausnahme. Um die 90 Prozent der Kinder sind am Anfang ihrer Entwicklung eher introvertiert. Vor allem im Kontakt zu fremden Menschen gehen viele Kinder anfangs auf Abstand und zeigen sich skeptisch. Ist das große Unbekannte aber erst einmal überwunden, verlieren sie meist auch ganz schnell ihre Scheu.

Schüchternheit ist zum Teil durch die Eltern genetisch vererbt, zum anderen Teil aber auch anerzogen und von der Umwelt beeinflusst. Die Eltern des Kindes und auch das andere nähere Umfeld wie Großeltern, Schule oder Freundeskreis prägen seine Entwicklung und sein Wesen in großem Maße. Auf jeden Fall ist es wichtig, das Kind niemals unter Druck zu setzen, sondern gut zuzureden und seine Ängste ernst zu nehmen. Außerdem, ein schüchternes Kind bedeutet noch lange keinen Beinbruch. Versuchen Sie, die Schüchternheit Ihres Kindes doch einmal positiv zu sehen: Schüchterne Kinder sind gleichzeitig auch etwas ängstlicher und verletzten sich dadurch weniger oder bauen andere Dummheiten. Auch im Beruf und im sozialen Umfeld werden schüchterne Menschen oft sogar als angenehmer empfunden als der Klassenclown. Außerdem strahlen sie mit einem ruhigen, besonnenen Auftreten im Job Kompetenz und Seriosität aus. Sie sehen also, eine gesunde Schüchternheit ist gar nicht schlimm.

Beginnt Ihr Kind aber, unbequeme und unvertraute Situationen bewusst zu umgehen und ein Vermeidungsverhalten an den Tag zu legen, besteht Handlungsbedarf. Es eignet sich so ein Verhalten an, das ihm den Alltag und das Schul- und Berufsleben sehr schwer bis unmöglich macht. Fordern Sie Ihr Kind heraus. Ruhig auch mit etwas Nachdruck. Trainieren Sie Situationen, die Ihrem Kind unangenehm sind, spielen Sie mit ihm eine Referatssituation durch, nehmen Sie es mit zu einem noch unvertrauten Bekannten von Ihnen und stärken Sie ihm immer den Rücken. Schicken Sie es in den Sportverein, vielleicht auch in einen Selbstverteidigungskurs. Das stärkt sein Selbstvertrauen. So werden auch unbequeme Situationen irgendwann zur Routine und das Kind merkt, dass ja eigentlich gar nichts Schlimmes dabei ist.

Tipps bei schüchternen Kindern

  • Packen Sie Ihr Kind nicht in Watte und nehmen ihm alles ab! Das verstärkt nur seine Schüchternheit. Fordern und fördern Sie es, dann sieht es schnell, dass es doch gar nicht so schwach ist.
  • Üben Sie aber auch keinen zu großen Druck aus, sondern zeigen Sie sich gelassen! Sonst wächst ganz schnell die Angst, die Eltern zu enttäuschen.
  • Machen Sie Ihrem Kind nie Vorwürfe oder belächeln es sogar! Ganz im Gegenteil: Loben Sie Ihr Kind, auch für kleine Erfolge, daran wird es wachsen.
  • Und zu guter Letzt: Sie sind das größte Vorbild für Ihre Kinder, also hinterfragen Sie doch auch mal Ihr eigenes Verhalten:

Nehmen Sie eine aufrechte Haltung an und sprechen Sie laut und deutlich!

Gestehen Sie sich Schwächen ein! Bevor Sie partout die Straße nicht finden, fragen Sie nach dem Weg.

Seien Sie offen und ehrlich! Und zeigen Sie Ihrem Kind Situationen, in denen auch Sie selbst einmal unsicher sind. So fühlt es sich verstanden und geschätzt.

Quellen:

http://www.baby-und-familie.de/Erziehung/Schuechterne-Kinder-brauchen-Lob-und-Geduld–213915.html
http://www.sueddeutsche.de/bildung/soziale-unsicherheit-bei-kindern-zu-schuechtern-fuer-die-schule-1.1933288