Kleine Kinder – kleine Vorurteile?

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Mit DER spielen wir nicht! – sagte der Freund vom Bruder

Vorurteile sind nicht besonders edel. Und trotzdem sind wir alle – mal mehr, mal weniger – davon behaftet. Kinder werden völlig vorurteilslos geboren. Erst später überraschen sie mit Sätzen wie: „Mit DER spielen wir nicht, weil …“. Ja, warum denn nicht? Weil sie beginnen, ihre Mitmenschen zu kategorisieren. Warum? Weil sie es nicht anders kennen. Von den Erwachsenen.

Vorurteile können in wenigen Fällen ganz nützlich sein. Zum Beispiel dann, wenn ein Kind denkt, dass große Hunde beißen. Dass das Quatsch ist und nur auf die wenigsten Hunde zutrifft, wissen wir Erwachsenen. Und trotzdem kann es nicht schaden, wenn unsere Kinder nicht per se jeden fremden Hund streicheln. Mit der Kategorisierung von Menschen ist es nicht viel anders. Warum das so ist, erklärt Psychologie-Professor Andreas Beelmann: „Wir sind darauf ausgelegt, unsere soziale Welt zu kategorisieren. Das führt dazu, dass wir Menschen in Gruppen einteilen. Das beginnt schon sehr früh im Leben und das ist auch notwendig, um mit der Vielfalt der Welt zurechtzukommen. Es ist also keineswegs schlimm, ganz im Gegenteil.“

Dabei fangen Kinder, die völlig ohne Vorurteile auf die Welt kommen, mit circa vier bis fünf Jahren an, soziale Kategorien von den Eltern zu übernehmen. Sie beginnen, Menschen in Gruppen einzuteilen. Unter anderem weil es für sie selbst wichtig ist, zu einer Gruppe zu gehören. Für Kinder ist die Hautfarbe anderer erst einmal völlig egal. Erst ab dem vierten Lebensjahr kristallisiert sich die Einstellung der Eltern gegenüber anderer Kulturen auch bei Kindern heraus. Denn Kinder ahmen ihre Vorbilder nach. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern das Gespräch suchen, wenn ihre Tochter oder ihr Sohn beispielsweise nicht mit einem behinderten Kind oder einem Kind mit anderer Hautfarbe als es selbst spielen möchte. Dann gilt es sensibel nachzufragen, denn solche Antipathien sind nicht natürlich, wie zum Beispiel die Abneigung zwischen Jungen und Mädchen, die es zwangsweise in bestimmten Entwicklungsstufen gibt. Wenn Ihr Kind also Zuhause von „Kopftuchträgerinnen“ oder „Schlitzaugen“ spricht, dann wird es Zeit, das Gespräch zu suchen und Ihrem Kind zu erklären, dass alle Menschen, Menschen sind. Dass andere Kulturen unser eigenes Leben bereichern.

Erzieherinnen im Kindergarten oder Schulsozialarbeiter wissen sehr gut, wie man mit Vorurteilen bei Kindern umgeht. So richten sie Spieleecken häufig multikulturell ein und mischen hierfür beispielsweise türkische Möbelstücke zwischen typisch deutsche. Oder sie lassen jedes Kind ein Portrait malen und erklären anhand des Bildes, dass es egal ist, wer welche Hautfarbe hat, ob jemand ein Kopftuch trägt und früh betet, oder eben nicht. Sie suchen das Gespräch bei Hänseleien und informieren die Eltern umgehend, wenn ihr Kind andere Kinder ausgrenzt.

Was Eltern machen können? Ihren Kindern ein Vorbild sein. Ohne Vorurteile gegenüber anderen Kulturen, ohne die Ausgrenzung von „Andersartigen“, ohne Hass – mit viel Liebe und offenen Ohren für die vielen „Warums“ der Kleinen.

Quellen:

• http://www.kizz.de/kindergarten-und-krippe/kita-alltag/vorurteile-grenzen-aus-vorurteilsbewusste-erziehung-im-kindergarten-

• http://www.kindergartenpaedagogik.de/1989.html

• https://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all

• http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/vorurteile104.html

• http://www.kinder.de/themen/kleinkind/erziehung/artikel/vorurteile.html