ICH-ling oder Teamplayer?

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Wie werden Kinder zum Teamplayer?

Ganz alleine baut Lea mit kleinen Förmchen eine Sandburg. Auch Tom ist alleine mit der Skulptur, die er sich aus Wasser und Sand im Sandkasten zusammenpanscht. Eigentlich sitzt Lea genau neben ihm. Doch beide nur mit sich. Lea und Tom sind ICH-linge. Noch.

Warum? Ganz einfach, erklärt Diplom-Psychologe Michael Thiel: „Zunächst ist jedes Kind ein kleiner Egoist. Selbst beim Spielen in der Sandkiste spielen die Knirpse noch parallel – das ist kein Zusammenspiel.“ Okay, Kinder sind erst einmal nicht in der Lage, den Sinn und Zweck des gemeinsamen Spielens zu sehen. Den müssen sie nämlich erst lernen – von ihren Eltern, die quasi ihre ersten Teammitglieder sind. Und nur weil Kinder ein Geschwisterchen haben, sind sie nicht automatisch Teamplayer. Hierfür bedarf es viel mehr: Liebe, Zeit, Vorbildsein. Mal wieder sind wir gefragt, als Eltern. Doch was genau können wir machen, um unser Kind zum Teamplayer zu erziehen?

  • Unser Kind bedingungslos lieben, denn nur mit dieser Liebe entwickelt ein Kind Vertrauen und Selbstvertrauen. Ohne dieses wird es sich nie in einer Gruppe wohlfühlen, geschweige denn Sozialkompetenz entwickeln.
  • Wir müssen unseren Kindern zeigen, dass wir sie brauchen. So können wir sie beispielsweise beim Einkauf als kleine Helfer mit einbeziehen. Oder auch im Familienleben, wenn sie uns beispielsweise ihren Teller nach dem Essen zum Spülbecken tragen.
  • Gemeinschaftsspiele tragen ebenfalls zur Teamfähigkeit bei. Dabei ist es natürlich auch wichtig, dass unsere Kinder lernen, mit Niederlagen umzugehen.
  • Vorbild sein: Wer als Erwachsener beim Spielen verliert, sollte sich nie anders verhalten, als er es sich von seinem Kind wünschen würde.
  • Hilfsbereitschaft können wir unseren Kindern ebenfalls nur dann beibringen, wenn wir selbst hilfsbereit sind. Nur in der Theorie wird das nicht klappen. Also: Halten Sie Ihrer älteren Nachbarin doch einfach mal die Tür auf. Ihr Kind wird sich das Verhalten sicherlich abschauen.
  • Wer gerne Freunde und Verwandte zu sich nach Hause einlädt, lebt seinen Kindern ebenfalls vor, dass es schön ist, mit anderen Kontakt zu haben. Für andere etwas vorzubereiten, sie willkommen zu heißen, gastfreundlich zu sein.
  • Gruppenarbeiten: Im Kindergarten und der Grundschule ist es wichtig, dass Kinder auch mal gemeinsam Aufgaben lösen sollen.
  • Außerdem ist es wichtig, dass Sie Ihrem Kind klare Regeln vorgeben, an die es sich dann auch halten muss. Denn nur wer klar abgesteckte Verhaltensfelder hat, lernt auch, dass er sich daran halten muss und eben nicht egoistisch vorgehen darf.
  • Auch Erfolgserlebnisse in der Gruppe tragen dazu bei, dass Ihr Kind ein Teamplayer wird. Deshalb ist es immer förderlich, wenn ein Kind in einem Sportverein tätig ist.

Wir dürfen nie vergessen, dass unsere Kinder in einer Leistungsgesellschaft groß werden, in der der Beste belohnt wird und Ellenbogen auf der Karriereleiter so selbstverständlich wie Überstunden sind. Vielleicht sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen und das Leben unserer Kleinen etwas entschleunigen. Mit Liebe, Zeit, Respekt und Freunden. Vielleicht verabreden sich Lea und Tom künftig zum Spielen im Sandkasten. Und bauen gemeinsam eine Burg.

Quellen:

• http://www.familie.de/kind/so-wird-ihr-kind-zum-team-player-538079.html

• http://www.leselupe.de/blog/2012/04/25/stephan-valentin-ichlinge-warum-unsere-kinder-keine-teamplayer-sind/

• http://www.derwesten.de/staedte/menden/wie-kinder-teamplayer-statt-ichlinge-werden-id8967362.html

• http://www.zeit.de/2014/48/kinder-erziehung-egoismus-entwicklungspsychologie