Nature deficit disorder – Aber was ist das?

Natur, verstecken spielen, Bäume, Laub

Auf Deutsch das Natur-Defizit-Syndrom => Los Kinder, geht raus zum Spielen, es ist Zeit für Bewegung!

Wie und wann kam es soweit, dass Kinder aufhörten draußen „unstrukturiert“ Zeit zu verbringen? Genau das ist heute öfters auch an sonnigen Nachmittagen ein seltenes Bild – es gibt kaum Kinder die draußen spielen, Spaß haben, sich mit Freunden verabreden, auf Bäume klettern und die Natur genießen. Eltern planen mit guten Absichten die Freizeit ihrer Kids mit unterstützenden Förderprogrammen. Die Möglichkeit für spontane und selbstmotivierende Spiele besteht somit selten und führt heute zu üblichen „Indoor-Krankheiten“. Wenn Kinder sich nicht vor dem Fernseher oder Computer befinden, dann sind die Kinder auf dem Weg von der Schule zum Fußballtraining oder Tanzunterricht und danach geht es weiter zum Musikunterricht.

Ach wie war es „früher“ schön, ein Baumhaus oder ein Lager im Wald mit Freunden zu bauen! Und selbst, wenn es heute nicht verboten wäre Baumhäuser zu bauen und es genügend Abenteuerspielplätze geben würde, haben die meisten Eltern Angst ihre Kinder draußen allein spielen zu lassen. Sie fürchten Verletzungen, Verkehrsunfälle, Misshandlungen und Entführungen. Daraus folgt, dass die psychische und physische Herausforderung für die Kleinen entfällt, ebenso die Naturnähe, die Selbstbestätigung und das daraus resultierende Selbstbewusstsein, das Abarbeiten schlummernder Energien. Spielen in freier Natur statt im Kinderzimmer oder auf dem Spielplatz regt die kindliche Kreativität an, erfordert oft die Zusammenarbeit mit anderen Kindern und den Einsatz aller Sinne, schult die Aufmerksamkeit auch für Gefahren usw.

Welche Chance hat demnach der Umweltschutz, die Artenvielfalt, die Achtung vor der Biosphäre wenn die Jüngsten nur noch an Entertainment-Medien kleben und nicht mehr auf Bäume steigen? Mit Smartphones, Notebooks und Fernseherprogrammen kennen sich die Kleinen besser aus als der Papa. Der Bewegungsradius hat seit den 1970er Jahren um rund 90 % abgenommen

Wussten sie schon?

  • das nur jeder dritte Schüler im Alter zwischen 12 und 15 Jahren jemals einen Käfer oder Schmetterling auf der Hand hatte
  • jeder Vierte hat noch nie ein Reh in der Natur beobachtet
  • acht von zehn Schülern sehen es als verboten an, Käfer, Frösche oder Würmer spontan in die Hand zu nehmen
  • jeder zweite Befragte geht davon aus, dass im Wald grundsätzlich keine Blumen oder Beeren gepflückt werden dürfen
  • 11 % sind der Meinung, Enten seien gelb
  • nur 21 % kennen den Namen der Rosenfrüchte
  • 90 % halten Naturschutzgebiete für wichtig, aber nur 21 % nähmen gern an
    Umweltschutzaktionen teil
  • rund 50 % halten Jäger für Tiermörder
  • 96 % finden es wichtig, den Wald »sauber« zu halten (d.h. ohne »Unkraut).

Fakt ist, dass Kinder zu sehr in die kulturelle Sicherungsverwahrung der Eltern und in den Konsumgriff der Medien genommen werden, Tendenz steigend. Dadurch verlieren unsere Kinder den Sinn und die Berührung mit der Natur, woraus sich besorgniserregende Schlüsse ziehen lassen.

Kinder werden ungesünder, dicker, entwickeln ein weniger gut ausgeprägtes Bauchgefühl für Risiken und können mit Nicht-Aktivität nicht umgehen. Diese Defizite wirken sich langfristig auf die ganze Gesellschaft und die Natur aus. Zudem sind es keine gute Voraussetzungen für die Achtung unserer natürlichen Lebenswelt.